Ist in Scientology der Begriff Ethik als „die Entfernung von Gegenabsichten und Fremdabsichten“ definiert und damit das „Rigorose Vorgehen gegen 'Abweichler' und Gegner“ gemeint?
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Der angebliche scientologische Ethikbegriff ist ein auch von Enquete-Mitgliedern gern bemühtes "Zitat", dient er doch der Untermauerung der angeblichen "Bestrebungen gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung". Nur: So steht das nirgends geschrieben.
Die "Zitatesucher" verwechseln den Begriff mit einer organisatorischen Richtlinie mit dem Titel "Ethics", die sich allerdings auf die sogenannte "Ethik-Abteilung" in einer Scientology Kirche bezieht - und nicht auf den "philosophischen" Begriff der Ethik und seine Definition.
Diese innerkirchliche Disziplinarabteilung wird ausweislich der kirchlichen Nomenklaturverzeichnisse ebenfalls mit dem englischen Begriff "Ethics" bzw. der deutschen Entsprechung "Ethik"(-Abteilung) bezeichnet.
Der Zweck dieser Abteilung ist es, genannte "Gegenabsichten" und "Fremdabsichten" aus der Umwelt zu entfernen. Diese Begriffe sind innerkirchlich wie folgt definiert:
"Gegenabsicht: eine Entschlossenheit, ein Ziel zu verfolgen, das in direktem Widerspruch zu denjenigen Zielen steht, die als die Ziele der Gruppe bekannt sind."
"Fremdabsicht: ein Geisteszustand, in dem man ein anderes Ziel verfolgen will als jene Ziele, die als die Ziele der Gruppe bekannt sind."
Unter "Entfernen von Gegen- oder Fremdabsichten" wird in Scientology nichts anderes verstanden als das, was beispielsweise bei den Amtskirchen unter sogenannten "Amtszuchtverfahren" oder in der staatlichen Verwaltung oder bei einem Verein unter Disziplinarverfahren üblicherweise verstanden wird: nämlich die betreffende Person zu korrektem verantwortungsbewußten Verhalten im Rahmen ihrer Aufgaben zu veranlassen.
Die "Ethik"-Abteilung kann verschiedene disziplinarische Verfahren einleiten und übergibt in so einem Fall die Angelegenheit einem unparteiischen Ausschuß zur Ermittlung und Entscheidung nach Anhörung der betroffenen Person (siehe hierzu auch XV. im folgenden).
Jedes kirchliche oder weltliche Rechts- oder Disziplinarwesen behandelt keine andere Materie. Nur solche Taten oder Unterlassungen werden korrigiert, diszipliniert oder bestraft, die sich gegen den vorwärtsgerichteten Impuls einer Gruppe oder Gesellschaft oder gegen ihre Ziele, Regeln oder Zwecke richten. Dies ist eigentlich sehr einfach nachzuvollziehen, auch wenn die Enquete sich damit schwer zu tun scheint.
Was machen denn UNICEF, BMW, die evangelische Kirche oder die CSU, wenn sie feststellen oder auch nur glauben, daß in ihren Reihen jemand gegen die Ziele oder Zweckbestimmungen ihrer "Gruppe" arbeitet, heimlich oder auch offen? Schauen sie dann etwa zu? Wohl kaum. Sie und andere Organisationen und Vereinigungen unternehmen natürlich etwas gegen die betreffende Person und sei es nur ein klärendes Gespräch. Bei kriminellen Regelverstößen wird staatlicherseits auch gleich der Täter - nicht nur seine "Gegenabsicht" - aus der Gesellschaft entfernt und in einem Gefängnis verwahrt.
Die scientologischen Definitionen sind bei genauerem Hinsehen durchaus allgemeingültig und alles andere als verwerflich.
Auch hier wird deutlich, wie Scientology-Gegner die Normalität flugs zur "Abnormalität" umdefinieren, wenn dies nützlich erscheint, obwohl selbst sie bei Disziplinarverfahren bis hin zu Entlassungen oder gar Berufsverboten natürlich nichts anderes tun, als "Gegenabsichten zu entfernen", um bei diesem rein philosophischen Begriff zu bleiben.
Auch die Nichtanstellung von Scientologen in den öffentlichen Dienst in Bayern beziehungsweise die angedrohte Entfernung aus dem Dienst bei scientologischen Beamten wird fast aufs Wort damit begründet, daß die Ziele von Scientology "in direktem Widerspruch" mit den Zielen der demokratischen Grundordnung stünden.
Hier sollen sogar "Gegenabsichten entfernt" werden, wo gar keine sind, - während bei Scientology schon eine bewußt falsch ausgelegte Definition genügt, um die "Verfassungsfeindlichkeit" zu "belegen".
Der englische Begriff "Ethics" in seiner philosophischen Definition wird in Scientology hingegen wie folgt definiert:
"ETHIK: Das Studium/die Lehre über die allgemeine Natur moralischer Standards (Moral: Die Prinzipien von richtigem und falschem Verhalten) und der spezifischen moralischen Auswahl, die ein Individuum in seiner Beziehung zu anderen treffen muß."
Weiter heißt es in den Werken L. Ron Hubbards:
"Ethik besteht in Wirklichkeit aus Vernunft in Richtung auf die höchste Ebene des Überlebens für das Individuum, die kommenden Generationen, die Gruppe, die Menschheit und die anderen Dynamiken [hier: Lebensbereiche, wie z. B. die Natur, die Familie; Anm. d. V.] zusammengenommen.
Ethik ist Vernunft.
Das höchste Ethikniveau würde aus langfristigen Überlebenskonzepten mit minimaler Zerstörung bestehen, und zwar auf allen Dynamiken.
Die optimale Lösung für jedes Problem wäre die Lösung, die den größten Nutzen für die größte Anzahl von Dynamiken bringen würde. Die schlechteste Lösung wäre diejenige, die der größten Zahl von Dynamiken den größten Schaden bringen würde.
Ethik besteht aus den Handlungen, die der einzelne auf sich nimmt, um optimales Überleben für sich und andere auf allen Dynamiken zu erreichen. Ethische Handlungen sind Überlebenshandlungen.
Sprechen wir von Ethik, so sprechen wir von richtigem und falschem Verhalten. Wir sprechen von Gut und Böse. Das Gute kann man als eine konstruktive Überlebenshandlung bezeichnen.
Damit etwas gut ist, muß es dem Individuum, seiner Familie, seinen Kindern, seiner Gruppe, der Menschheit oder dem Leben etwas geben. Um gut zu sein, muß das Konstruktive einer Sache das in ihr enthaltene Zerstörerische übertreffen.
Das Gute ist Überleben. Das Gute bedeutet, mehr recht als unrecht zu haben. Das Gute ist, in konstruktiven Zielrichtungen in größerem Maße erfolgreich als erfolglos zu sein."
Die "Ethik-Technologie" der Scientology Kirche gibt dem Individuum folglich eine Anleitung, die bestmögliche Entscheidung aufgrund der gegebenen Umstände der konkreten Situation zu treffen. Ethik bezeichnet innerhalb der Scientology-Lehre im übrigen jene Maßnahmen, die das Individuum von sich selbst aus unternimmt, um sich zu korrigieren oder von destruktivem Verhalten abzuhalten.
Mit disziplinarischen Maßnahmen, die wie dargelegt auch alles andere als verfassungswidrig sind, ist der Begriff "Ethik" von vornherein nicht zu verwechseln, vielmehr handelt es sich nach der Lehre von Scientology um ein jeder Person grundsätzlich innewohnendes Bewußtsein für richtig und falsch.











