Die Dani von Neuguinea
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UNGEFÄHR IM JAHR 1522 brachten die Überlebenden der ersten Expedition Magellans1 zwei Häute der „Vögel vom Paradies" nach Europa. Aufgrund ihrer seidenen goldenen Federn und der fehlenden Beine und Knochen schienen diese Vögel „Wanderer aus dem Himmel" zu sein. Der Chronist der Expedition schrieb wahrheitsgemäß ins Logbuch, dass die Knochen dieser Vögel gemäß dem örtlichen Brauch entfernt worden waren, bevor die Häute mittels Rauch getrocknet wurden. Es klang dann aber viel besser zu sagen, dass es sich um göttliche Vögel handelte, Vögel, die die Insel vorübergehend besuchen, unaufhörlich fliegen, sich von Nektar und Tau ernähren und schließlich ins Paradies zurückkehren, um ihre goldenen Eier zu legen. Natürlich taten die Ureinwohner nichts, was diesem profitablen Glauben ein Ende bereitet hätte, und nach der Entdeckung von Neuguinea behielt es drei Jahrhunderte lang das Geheimnis dIer berühmten „ Vögel vom Paradies" für sich.
Durch die Insel von Neuguinea verläuft eine Gebirgskette etwa mit einer durchschnittlichen Höhe von 4000 Metern und einer Länge von etwa 1600 Kilometern. Sie ist in den niedrigeren Bereichen von dichtem tropischen Regenwald umgeben. In dem Wald und über dem Wald lebten Hunderte von Menschengruppen — die Papua, die erst Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entdeckt wurden. Obwohl die verschiedenen Gruppen miteinander in Verbindung standen, hatten sie in keiner Weise mit anderen Völkern im Pazifik Kontakt. Ihre Herkunft ist ein Geheimnis. Sie sprachen etwa 700 Sprachen und hatten etwa ebenso viele religiöse Anschauungen.
Viele dieser Gruppen waren gemeinschaftlich als die Dani bekannt. Nachdem für die Notwendigkeiten des Lebens, des Anbaus von Pflanzen und der Viehzucht gesorgt war, bestand ihre Hauptbeschäftigung in der Kriegsführung gegen benachbarte Gruppen.
GEISTER
Das Tal, in dem die Dani lebten — wahrscheinlich etwa amderttausend von ihnen — war ungefähr 65 Kilometer lang und 16 Kilometer breit. Nichts war in ihrem Leben von größerer Bedeutung als ihr Glaube an Geister. Genau wie es bei der Schwerkraft der Fall ist, waren die Geister nicht direkt sichtbar, sondern nur durch ihre Manifestationen. Wenn ein Mann auf einem schlammigen Pfad ausrutschte, würde er sagen, dass ein Geist verursachte, dass er hinfiel, aber er würde nicht behaupten zu wissen, wie dies getan wurde.
Geister waren für die Dani die „lebendigen" Toten. Sie gingen davon aus, dass sie neben all den Fähigkeiten einer lebendigen Person gewisse zusätzliche Fähigkeiten besaßen, die sich aus dem Nichtvorhandensein des Körpers ergaben. Sie konnten gehen und fliegen, essen und Regen fallen lassen und die Sprache des Menschen verstehen. Im Wesentlichen waren Geister nichts weiter als privilegierte Personen, die durch den Tod geläutert worden waren. Sie waren hungriger, anspruchsvoller und wissbegieriger als sie es im Leben waren. Dies waren für die Dani vertraute Eigenschaften. Die Art und Weise, wie sie mit Geistern lebten, war also im Wesentlichen eine Erweiterung der Art und Weise, wie sie miteinander lebten.
Geister waren jedoch bevorteilt, und um mit ihnen in Harmonie zu bleiben, musste man sowohl Magie anwenden als auch praktisch sein. Sie waren nicht völlig vorhersehbar. Daher ging man am besten davon aus, dass sie nie völlig zufriedengestellt waren und dass all das, was auch immer man tat, um sie zu beschwichtigen, nicht genug war oder wiederholt werden musste, um wirksam zu sein. Aus diesem Grund gehörten zum ungezwungenen täglichen Verhalten Rituale, die nicht immer als solche erkennbar waren. Wenn zum Beispiel ein Dani eine Banane aß, legte er die Schale in die Dachsparren seines Hauses, um sie zu trocknen und später zu verbrennen. Er tat dies, weil ein Geist ansonsten seinen Bauch hätte anschwellen lassen, wenn er die Schale einfach so weggeworfen hätte. Ob Regeln gebrochen wurden, hing jedoch auch von der Beziehung der Person oder Gruppe mit den Geistern zu jedem bestimmten Zeitpunkt ab.
Wenn es zum Beispiel an einem Nachmittag regnete, an dem eine wichtige Zusammenkunft stattfand — etwa eine Beerdigung, zu der viele Menschen von weither kamen, um zu trauern, sich zu unterhalten und gemeinsam zu essen — konnte ein Mann, der sich seiner gegenwärtigen Beziehung mit den Geistern sicher war, ihnen sagen: „Ihr Geister, winkt mit euren Händen und verscheucht den Regen. Ihr solltet euch schämen. Beendet den Regen und geht weg in euer Zuhause."
Das Zuhause der Geister war ein kleines hölzernes Gebilde mit einer winzigen Tür. Es befand sich normalerweise ungefähr 800 Meter vom Dorf der Gruppe entfernt. Nachdem die Leiche im Rahmen der Beerdigungszeremonie verbrannt worden war, sollte der Geist dort mit den anderen Geistern desselben Dorfes zusammen leben.
IDEAL
Das Ideal der Dani für Geister war oft in einem Wunsch ausgedrückt, dass sie „dort bleiben, wo sie hingehören, und nicht vorbeikommen und uns belästigen." Wenn die Lebendigen die angemessene Zeremonie durchführten, erwarteten sie, dass die Geister sich fernhielten. Wie dies jedoch bei den meisten Idealen der Fall ist wurde dies nur selten vollständig erreicht. Zur Erklärung besagte die Logik der Dani, dass Geister gieriger und aufdringlicher seien, als sie sein sollten, und dass sie selbst nur zu oft bereit wären, ihre religiösen Handlungen und Verpflichtungen zu vernachlässigen. Wie sonst hätten sie das gelegentliche Auftreten von Krankheit und schlechtem Wetter erklären können?
Unten im Tal lebten Dani-Gruppen in Hütten mit Strohdächern. Sie kultivierten in ordentlichen, bewässerten Gärten viele verschiedene Arten von Süßkartoffeln. Die schwere Arbeit des Rodens und des Grabens wurden von den Männern mit Steinwerkzeugen erledigt. Die Frauen kümmerten sich um das Anpflanzen. Ältere Kinder hüteten Schweine und pflückten Bananen und andere Früchte. In solch einem Gebiet milder Temperaturen und milden Regens ohne gefährliche wilde Tiere, vor denen man sich hätte in Acht nehmen müssen, und mit so gut wie keiner Krankheit hätte es kaum einen angenehmeren Ort zum Leben geben können, wenn es nur keinen Krieg gegeben hätte.











