Demonstration für Religionsfreiheit in Frankfurt (1997)
| Humanitäre Projekte - Einsatz für Religionsfreiheit |
Menschenrechtler aus der ganzen Welt versammelten sich in Frankfurt, um gegen Diskriminierung in Deutschland zu protestieren
Zumindest während der vergangenen fünf Jahre hat die Empörung über ernsthafte Menschenrechtsverletzungen in Deutschland beständig zugenommen — in anderen Ländern auf der Welt. Im Juli wurde diese Empörung in Deutschland sichtbar. Bei einem lebhaften Protestmarsch in Frankfurt erfuhren Mitglieder der deutschen Scientology Kirchen Unterstützung von Führern anderer Religionen aus dem In- und Ausland. Angeschlossen hatten sich auch Wissenschaftler, Menschenrechtsanwälte, international bekannte Persönlichkeiten und Betroffene verschiedener Gemeinschaften. Insgesamt nahmen mehr als 1.500 Menschen an der Demonstration teil.
Unter den Anwesenden, die ihre Unterstützung zum Ausdruck brachten, war auch Dr. Gabriele Yonan, eine bekannte Religionswissenschaftlerin der Freien Universität Berlin. Sie gehört zu der wachsenden Zahl von deutschen Wissenschaftlern, die es ablehnen, vor der Wahrheit die Augen zu verschließen. Sie marschierte mit an der Spitze des Zugs, in dem 17 Länder sichtbar mit ihren jeweiligen Landesflaggen vertreten waren.
"Die Bundesrepublik benimmt sich, als befände sie sich im Mittelalter", sagte sie zu den versammelten Menschen vor der Alten Oper in Frankfurt, an welcher der Marsch endete. "Das wiedervereinigte Deutschland sollte eigentlich ein leuchtendes Beispiel für Osteuropa und Rußland geben", meinte sie, "stattdessen exportieren sie Sektenhysterie und Beschneidung von Religionsfreiheit in die Länder, die sich gerade um ihre Demokratisierung bemühen. Die Maßnahmen der Bundesregierung verletzen das Grundgesetz."
Während sie einen Gesetzesvorschlag für religionsbezogene Rechte vorstellte sagte Dr. Yonan, die deutsche Regierung sollte "ihre Gesetze auf alle gleich anwenden" ... "wobei sie allen Bürgern Redefreiheit, Versammlungsfreiheit und das Recht, die Religion ihrer Wahl zu praktizieren, garantieren sollte."
Sprecher bei der Demonstration waren auch der international bekannte Schauspieler und Musiker Isaac Hayes und die Jazz-Legende Chick Corea. Hayes berichtete der Menge, wie er zusammen mit Dr. Martin Luther King in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung während der 60er Jahre marschiert war, und daß er darauf stolz sei, wieder für Freiheit und Gleichbehandlung eintreten zu dürfen. "Wenn eine Gruppe das Recht auf Religionsfreiheit verliert, kommt es allen abhanden", sagte er. Hayes führte den Demonstrationszug mit der amerikanischen Bürgerrechtshymne "We Shall Overcome" an.
Für die Schauspielerin Anne Archer war es der zweite Besuch in Deutschland in dieser Angelegenheit. Anfang des Jahres war sie von einem amerikanischen Fernsehsender eingeladen worden, an einer Filmdokumentation über die Ursachen und das Ausmaß der Diskriminierung in Deutschland teilzunehmen. "Diese Reise hatte mir die Augen geöffnet", sagte sie. "Sogar die Mitarbeiter des Filmteams waren über das, was sie vorfanden, schockiert". Der Beitrag über die Rechercheergebnisse des Filmteams wurde mittlerweile international ausgestrahlt.
Unterstützung für den Frankfurter Marsch kam von überall auf der Welt. Anne Archer übermittelte persönliche Grußworte ihres Schauspielerkollegen John Travolta. Hayes verlas eine Botschaft der Schauspielerin Kirstie Alley. Sie stellte fest, daß "die Verfolgung von Scientologen und anderen Religionen durch die deutsche Regierung zu weit gegangen ist". Alley ermutigte die Wissenschaftler und Experten, Menschenrechtsverletzungen auch weiterhin anzuprangern — solange bis die deutsche Regierung "grundlegende religiöse und bürgerliche Rechte für alle Bürger in Deutschland sichtbar gewährt".
Die Schauspielerin Kelly Preston, die Ehefrau John Travoltas, meinte: "Eine so hoch entwickelte und fortschrittliche Gesellschaft wie die deutsche sollte sich angesichts dieses intoleranten Verhaltens schämen."
Untersuchungsdelegation
Bei der Demonstration zugegen waren auch Mitglieder der ältesten und größten Bürgerrechtsorganisation in den Vereinigten Staaten, der "National Association for the Advancement of Coloured People" (NAACP) (Nationale Vereinigung zur Förderung Farbiger). Angeführt von der Regionaldirektorin Ernestine Peters nahm eine NAACP-Delegation an dem Marsch teil, und zwar als ersten Schritt einer Untersuchung der Diskriminierung gegen Minderheiten in Deutschland.
"Die NAACP hat sich der Aufgabe verschrieben, jede Form von Diskriminierung zu beenden, indem sie beständig juristische und moralische Überzeugungsarbeit leistet, und zwar auch angesichts offener und gewalttätiger rassistischer und ethnischer Feindseligkeit", sagte Peters. "Niemand kann sich sicher fühlen in einem undemokratischen Klima des Hasses, wie es anscheinend zur Zeit in Deutschland besteht."
Peters sagte ihren Zuhörern, daß die Delegation einen umfassenden Bericht über ihre Beobachtungen erstellen werde, einschließlich der Rolle der deutschen Regierung beim Schüren von Vorurteilen.
Dieser Bericht wurde inzwischen dem nationalen Büro von NAACP in den Vereinigten Staaten unterbreitet.
Der bekannte amerikanische Menschenrechtsanwalt Ted Eagans sagte den Zuhörern, daß er von Deutschland aus direkt zu Menschenrechtsanhörungen im Hauptquartier der Vereinten Nationen in Genf fahre. Seit langem, sagte er, sei er sich des Problems der Diskriminierung in Deutschland bewußt. Nachdem er sich aber mit Vertretern verschiedener religiöser und ethnischer Gruppierungen getroffen und aus erster Hand Beweise für die herrschende Voreingenommenheit erhalten habe, wolle er sicherstellen, daß dies auch in Genf bekannt sei. So könne diesbezüglich Abhilfe in die Wege geleitet werden. Eagans und anderer Menschenrechtssprecher sowie religiöser Führer, die beim Marsch in Frankfurt dabei waren, wurde an den UN-Hochkommissar für Menschenrechte und an die Mitarbeiter des Sonderberichterstatters für religiöse Intoleranz übergeben.
Leisa Goodman, Menschenrechtsbeauftragte der Scientology Kirche International: "Dieser Marsch war erst der Anfang. Die Regierung ist zu weit gegangen. Mehr und mehr deutsche Bürger sind durch die intoleranten Äußerungen ihrer eigenen politischen Führer erniedrigt und ins Abseits gedrängt worden, haben sich aber gescheut, darüber zu reden. Jetzt aber reden sie, und sie werden nicht aufhören, bis ihnen ihre Regierung zuhört."
Quelle: Artikel aus der Zeitschrift FREIHEIT "Zeit zu entscheiden" (1997)











