Das Schneewittchenprogramm - Richtigstellung falscher Regierungsberichte (1973)
| Gründung und Geschichte der Scientology Kirche - Chronik der Scientology |
Das „Schneewittchen"-Programm, das Hauptthema eines Spiegel-Artikels, wurde von L. Ron Hubbard, dem Gründer der Scientology-Religion, im Jahre 1973 geschrieben. Die Beschreibung dieses Programms durch das ehemalige Scientology-Mitglied Young ist jedoch nicht nur falsch, sondern eine absichtliche und bösartige Mißinterpretation. Young hat als Mitglied der Scientology Kirche persönlich an genau jenem Schneewittchen-Programm gearbeitet und kannte seinen wirklichen Zweck genau.
Herr Hubbard schrieb das Schneewittchen-Programm, nachdem bekannt wurde, daß zahlreiche falsche Berichte über Scientology durch gewisse Regierungsbeamte — vor allem in den USA und England — verbreitet worden waren, die auf diese Weise in den offiziellen Akten anderer Regierungsbehörden landeten, einschließlich der Bundesrepublik. Der Ausdruck „Schneewittchen" wurde gewählt, weil diese Regierungsbeamten tatsächlich „Märchen" erzählten, die jeder Grundlage entbehrten.
Diese falschen Berichte wurden selten, wenn überhaupt, von Beamten anderer Länder auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht. Hätte man sich diese Mühe gemacht, wäre die Wahrheit schnell ans Licht gekommen und den jeweiligen Regierungen wie auch den Kirchen wäre viel Arbeit erspart geblieben. Stattdessen wurden genau jene Berichte zum Anlaß genommen, um Diffamierungskampagnen und die Verfolgung der Kirche zu rechtfertigen. Und zu jener Zeit wurde das Programm geschrieben.
Die exakte Situation, die ausschlaggebend für dieses Programm war, wurde 1985 vom Obersten Gerichtshof von Ontario kurz und bündig beschrieben. Das Gericht bemerkte; „Es ist nicht ohne Bedeutung, daß die eidesstattliche Erklärung Fletscher Proutys... zeigt, daß er als hoher Beamter des CIA (Central Intelligence Agency) in den USA zu dem Schluß kam, daß die seit 1950 dreißig Jahre andauernde definitive Hetzkampagne gegen diese Organisation (Scientology) in erster Linie aufgrund der weltweiten Verbreitung falscher und abfälliger Informationen stattfand. Diese hatten den Zweck, ein Klima zu erzeugen, das entsprechende Gegenmaßnahmen gegen die Kirche und ihre Mitglieder rechtfertigte. Zweck des Schneewittchen-Programms war natürlich die Abwehr derartiger Aktivitäten."
Das Programm enthielt Aktionsschritte, um falsche Berichte in den Regierungsakten „mit legalen Mitteln aufheben" zu können. Als ein kanadischer Polizeibeamter bei der Beschreibung des Programms — absichtlich oder aus Leichtsinn — die Worte „mit legalen Mitteln" unterschlug und dadurch den falschen Eindruck erweckte, es enthielte Aufforderungen zu illegalen Handlungen, wurde er vom Obersten Gerichtshof von Ontario scharf gerügt.
Young wiederholt die gleiche heimtückische Lüge in seinem Spiegel-Artikel. Der gekaufte und bankrotte Tagelöhner tauscht die Wahrheit gegen Spiegel-Gold.
In Deutschland führt man im Zuge dieses Programms beispielsweise völlig legal und legitim Akteneinsichten durch, um falschen Regierungsberichten auf die Spur zu kommen. Die Akteneinsicht ist eine Methode, die es jeder privaten Gruppe ermöglicht, während der Durchführung eines Prozesses relevante Akten der Regierungsbehörden zu studieren.
Während seiner Tätigkeit für die Kirche in den siebziger Jahren war Young sehr stolz darauf, an dem Schneewittchen- Programm mitzuwirken. Und in den achtziger Jahren verlangte er, emeut an diesem Projekt mitzuarbeiten.
Young war als leidenschaftlicher Befürworter des Schneewittchen-Programms bekannt und entgegen seinen heutigen Behauptungen schien er während seiner Tätigkeit für die Kirche fast davon besessen zu sein.
Young beanspruchte das Schneewittchen-Programm für sich allein und betrachtete es als sein persönliches Steckenpferd. Er war derart von der Wichtigkeit dieses Programms überzeugt, daß er sogar nach Washington versetzt werden wollte, um dort eine Spezialeinheit zu etablieren, die sich ausschließlich darauf konzentrieren sollte. Seine Frau sollte ihn dabei unterstützen.
In einer schriftlichen Anfrage an seine Vorgesetzten schlug er vor, „daß ich die Autorität und volle Verantwortung für die Etablierung dieser Einheit und der daraus folgenden Offensive haben sollte". Young brüstete sich damit, daß er ein „publizierender Schriftsteller" sei, obwohl das einzige Buch, das er je „geschrieben" hatte, tatsächlich von dem erfahrenen Autor Trevor Medal-Johnson (siehe Beitrag auf Seite 21) verfaßt wurde.
Youngs Vorschlag wurde abgelehnt. Sein Plan war nicht nur unvollständig und nicht durchdacht, sondern hätte auch einen Mißbrauch des Schneewittchen-Programms eingeleitet und die Zielsetzung, für die es ursprünglich von L. Ron Hubbard geschrieben wurde, abgeändert.
Mit Enthusiasmus trieb er das Programm voran und setzte sich dafür ein. Heute behauptet er, daß mit genau diesem Programm etwas verkehrt sei. Welche Worte kann man über die Glaubwürdigkeit eines Mannes verlieren, der sein Gift gegen Bezahlung über genau das versprüht, von dem er einst zutiefst überzeugt war?
Young unterschlägt im Spiegel die Tatsache, daß sich das Programm als äußerst erfolgreich herausstellte. Tatsächlich konnten viele der lächerlichen und falschen Berichte über Scientology isoliert und korrigiert werden:
• Im November 1975 stimmte das Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten zu, ein in ihren Akten vorhandenes Memorandum zu vernichten, das im November 1967 von einer Mitarbeiterin der Einwanderungsbehörde, Shirley Foley, verfaßt worden war. Neben den zahlreichen Fehlinformationen behauptete Foley, daß Scientologen LSD und Elekrroschocktherapie verwenden würden. Absolut lächerliche Behauptungen, wenn man weiß, wie lange die Kirche bereits gegen diese Arten sogenannter „Behandlungen" vorgeht.
• Im Oktober 1974 wurde in Funchal, Portugal, ein Motorschiff der Scientology Kirche von einer Horde Leute angegriffen. Sie warfen Steine und schrien etwas von einem „CIA-Schiff". Die örtliche Polizei und eine Militäreinheit beobachteten die Szenerie, taten aber nichts, um die Menge zurückzuhalten. Das Ergebnis: Kirchenmitarbeiter wurden durch die Randalierer verletzt, Eigentum wurde beschädigt und zerstört, Autos und Motorräder, die der Kirche und Kirchenmitarbeitern gehörten, wurden vom Hafendock ins Wasser befördert. Die Schiffsbesatzung versuchte, sich mir Feuerwehrschläuchen zu verteidigen, während man das Schiff in Sicherheit brachte und ablegte, um weitere Gewaltanwendung zu verhindern.
Jahre später enthüllten Dokumente, die man im Rahmen des amerikanischen Freedom of Information Act erhalten hatte, daß von einer Abteilung der US-Regierung im April 1972 an verschiedene europäische Länder die Behauptung verbreitet worden war, jenes Motorschiff der Scientology Kirche sei ein CIA-Schiff.
In Lissabon wurde schließlich ein Schadensersatzverfahren gegen die portugiesische Regierung eingeleitet, um die durch die aufgebrachte Menge verursachten Schäden wiedergutzumachen. Im Juni 1985 bestätigte der Verwaltungsgerichtshof in Lissabon die Schadensersatzforderung der Scientologen und etablierte als Ursache für den Aufruhr im Jahre 1974 das Gerücht über das angebliche „CIA-Schiff". Das Gericht stellte ebenfalls fest, daß dieses Gerücht jeder Grundlage entbehrte. Die Schäden wurden auch 1987 vom Berufungsgericht anerkannt. Kurz danach im April 1988 autorisierte der Justizminister Portugals die Eintragung der Scientology Kirche in Portugal.
- Hier in Deutschland fanden Scientologen 1972 heraus, daß sich Detlef Ploog, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie (MPIP), an das Ministerium für Jugend, Familie und Gesundheit gewandt hatte, um die Aufklärungskampagne der Scientology Kirche über die Mißbräuche und unmenschlichen Zustände in psychiatrischen Institutionen zu stoppen. Anlaß für Ploogs „Hilferuf" an das Ministerium waren die Enthüllungen der im Jahre 1972 erschienenen Ausgabe der Zeitung Freiheit. In ihr wurden erstmals die haarsträubenden Menschenrechtsverletzungen unter dem Hitler-Regime mit dem Psychiater Ernst Rüdin in Verbindung gebracht. Rüdin war ein begeisterter Anhänger Hitlers und erhielt zahlreiche Auszeichnungen durch die Nazis, die ihn als einen der Väter ihrer Ideologie anerkannten. Doch damit nicht genug. Freiheit deckte auch Menschenrechtsverletzungen des MPIP auf und brachte nachlässige Überdosierungen psychiatrischer Drogen, den mutwilligen Gebrauch von Elektroschocks und andere inhumane Praktiken zur Sprache.
Ploogs Hilferuf resultierte in einer angeblichen Untersuchung und schließlich in der Verbreitung eines vertraulichen Berichts über die Kirche. Wie sich später herausstellte, gab es tatsächlich keine neue Untersuchung, sondern der Bericht basierte ausschließlich auf den alten, falschen Informationen, die sich im Laufe der Zeit in den Regierungsakten angesammelt hatten. Die weitere Verbreitung dieses Papiers konnte durch die Kirche nur unterbunden werden, nachdem die falschen Berichte ans Licht gebracht und durch korrekte Informationen ersetzt werden konnten. So funktionierte das Schneewittchen-Programm.
Scientologen, die am „Schneewittchen"- Programm arbeiteten, verfaßten Untersuchungsberichte, welche die Menschenrechte von Leuten auch außerhalb der Scientology-Kirche unterstützten.
Young behauptet jetzt im Spiegel, daß das Programm in Deutschland kein „Medieninteresse" fand. Das ist falsch. 1977 trafen sich Young und der Kirchenrepräsentant Kurt Weiland aus München mit einem Mitglied des Bundestages und diskutierten mit ihm die Vorschläge der Kirche zur Bildung „Europols", um die Effizienz der grenzüberschreitenden Verbrechensbekämpfung zu verbessern. Bereits einen Tag später verbreitete die Deutsche Presseagentur zu dem Thema einen Beitrag einschließlich eines Kommentars des besagten Bundestagsabgeordneten. Daß sich heute — rund 20 Jahre danach — das Konzept „Europol" durchsetzt, spricht für sich selbst.
Die Durchsetzung dieses Programms hatte definitiv auch unerwartete und gesellschaftlich brisante Aspekte. In den Vereinigten Staaten führten Anfragen aufgrund des Freedom Of Information Act (FOIA) und Nachforschungen der Kirche nicht nur zur Entdeckung falscher Berichte über Scientology, sondern deckten auch unerlaubte Aktivitäten der Regierung auf:
• 1979 erfuhren Scientologen von der schädlichen Wirkung der Droge BZ, einem Halluzinogen, das nahezu um das Hundertfache stärker ist als LSD, und sie veröffentlichten diese Information in der Freiheit. Während die korrekte chemische Bezeichnung dieser Droge Chinoclinidylbenzolat lautet, wurde sie von der US-Armee BZ getauft und in den sechziger Jahren im Edgewood Arsenal an Tausenden von US-Soldaten getestet. Viele von ihnen berichteten über entsprechende schwerwiegende Nachwirkungen.
In den siebziger und achtziger Jahren deckte die Freiheit Tests mit anderen gefährlichen Substanzen auf, welche unter der Leitung von US-Regierungsbeamten durchgeführt wurden. 1979 berichtete das Magazin über die sogenante „Operation Big City", bei der im Jahre 1956 über fünf Tage hinweg heimliche Experimente zur biologischen Kriegsführung unter der Leitung des CIA und in Kooperation mit der US-Armee durchgeführt wurden. Eine Analyse von CIA Tonbändern, die aufdeckten, daß der CIA im Jahre 1955 Tests zur biologischen Kriegsführung in Florida finanziert hatte, wurde 1980 veröffentlicht. Diese Tests konnten mit dem Ausbruch einer besonderen Form des Keuchhustens in Florida in Verbindung gebracht werden, der 12 Menschenleben forderte. Die Hälfte der Opfer waren Kinder im Alter unter einem Jahr.
Ebenfalls im Jahre 1980 erschien in Freiheit ein Bericht darüber, wie der CIA mehr als 150.000 Dollar für die Fortsetzung eines Projekts zur biologischen Kriegsführung zur Verfügung stellte und damit eine Anweisung des Präsidenten aus dem Jahre 1969 ignorierte. So gab der CIA bis 1972 Gelder zur Weiterentwicklung und für Tests von Schikanierungsmethoden (engl. „harrassment systems") im Rahmen der biologischen Kriegsführung aus, wie auch für die Großproduktion von Bakterien und Viren trotz eines Befehls, der die Lagerung und Herstellung derartiger Waffen verbot.
Die oben aufgeführten Dokumentationen zum Schutz der Menschenrechte wurden durch Mitglieder der Scientology Kirche initiiert, die an der Durchführung des „Schneewittchen- Programms" arbeiteten und durch Akteneinsichten und FOIA-Anfragen Kenntnis von diesen Mißbräuchen erlangten. Es sind Themen, die alle Menschen, auch außerhalb unserer Kirche, etwas angehen.
In den Vereinigten Staaten gab die Kirche eine Broschüre mit dem Titel „Wie mache ich vom Freedom of Information Act Gebrauch" heraus (FOIA: das Recht jedes Bürgers auf Einsicht in behördliche Akten). Diese Broschüre enthielt einfache Tips, um der Bevölkerung zu helfen, die Regeln zur Durchsetzung der Informationsrechte anzuwenden. Um die Bürger zu ermuntern, von diesem Recht Gebrauch zu machen, schaltete die Kirche Anzeigen in Tageszeitungen, die einen entsprechenden Vordruck beinhalteten, mit dem man bei einer Regierungsstelle entsprechende Akteneinsichten beantragen konnte.
Auch heutzutage geht die Kirche energisch gegen falsche Berichte über Scientology in Regierungsakten vor, um diese zu korrigieren. Um auch anderen dabei zu helfen, falsche Berichte über sich selbst aufzuspüren und zu korrigieren, wurde die Kirche zu einem Vorreiter der FOIA Bestimmungen nicht nur in den Vereinigten Staaten sondern auch in Ländern wie Frankreich, Kanada, Australien, Neuseeland, Italien und Belgien.
Quelle: Gleichnamiger Artikel aus dem Freiheits Magazin "Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer belügt das ganze Land?" (1996)











