Christenverfolgung im alten Rom
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Christen wurden aber auch unter dem im Allgemeinen humanen Marc Aurel (= röm. Kaiser, 121 – 180) gesteinigt, verhaftet und gefoltert, denn die Gerüchte und Lügenmärchen wurden inzwischen allenthalben für „wahr“ gehalten.
Und so wurden im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. schliesslich die grausamsten Folterqualen von kranken Hirnen ersonnen. Einige Kostproben: ein Christenführer wurde auf einem eisernen, weissglühenden Sessel gesetzt und zu Tode gebraten. Ein christliches Sklavenmädchen wurde einen ganzen Tag lang gefoltert, dann in einen Sack eingenäht, in die Arena geworfen und von einem Stier aufgespiesst. Gladiatoren metzelten Christen in der Arena hin, viele starben in Kerkern, andere wurden geköpft, gepfählt und verbrannt oder wilden Tieren vorgeworfen. Eusebius, der grosse Kirchenlehrer, der im 3. und 4. nachchristlichen Jahrhundert lebte, berichtete, dass Christen gegeisselt wurden, bis ihnen das Fleisch von den Knochen hing; daraufhin wurde das Fleisch mit Muscheln von den Knochen abgekratzt. Danach gab man Salz oder Essig auf die Wunden, während der Peiniger das Fleisch in aller Bärenruhe in Streifen schnitt und an wartende Raubtiere verfütterte. Manchen Christen schob man angespitzte Schilfrohre unter die Nägel, anderen stach man die Augen aus, wieder anderen goss man flüssiges Blei in die Kehle. (3)
Trotzdem blieben die frühen Christen standhaft. Sie bekämpften mit dem Wort das Schwert, mit Liebe den Hass, mit Hoffnung die Grausamkeit und mit Demut den Stolz und rangen schliesslich den stärksten Staat nieder, das mächtigste Weltreich, das die Geschichte bislang gesehen hatte.
Die frühen Christen besiegten selbst das unbesiegbare Rom.
WAS WIR LERNEN KÖNNEN
Und so fallen uns förmlich zwei Erkenntnisse an:
1. Wir erkennen an einem einzigen Beispiel, wie Gerüchte zu bewerten sind, die sich auf nichts anderes stützen als Vorurteile, die allenthalben wiedergekaut werden.
Nun könnte man theoretisch argumentieren, dass wir längst nicht mehr in einem solch barbarischen Zeitalter leben, wir leben nicht mehr im alten Rom. Können wir nicht inzwischen vor den Kadi ziehen und Fakten klarstellen?
2. erkennen wir, wozu solche bösartigen Gerüchte führen. Sie führen zu Folter, Verstümmelung, Repressionen, Entzug des Eigentums, Ausgrenzung und Mord!
Nun könnte man auch hier einwenden, dass wir mittlerweile in einem etwas humaneren Zeitalter angelangt sind.
Auch das stimmt nicht ganz: Die Organisation Open Door stellt jährlich eine Rangliste jener 50 Länder zusammen, in denen Christen bis heute (!) verfolgt werden. Christen werden noch heute getötet, gefoltert, ins Gefängnis geworfen, vertrieben, bestohlen oder in ihren Ausbildungsmöglichkeiten beschränkt.
Einen besonders schlechten Namen machen sich regelmässig die Länder Nordkorea, Iran, Saudi-Arabien, Somalia, Afghanistan, Jemen, Mauretanien, Laos und Usbekistan. Von Afrika bis hin zum Nahen Osten, von Inselgruppen nördlich von Australien bis hin zum Fernen Osten werden also Christen noch immer diskriminiert. Sie werden erpresst, vertrieben, entführt, in Arbeitslager gesteckt und ermordet. Und das im Jahre 2010! (4)
Womit aber beginnen all diese unsäglichen Morde, Verfolgungen und Diskriminierungen?
Sie haben es längst erraten: mit Gerüchten!
Wir sollten all dies in Rechnung stellen, bevor wir nur ein einziges Wort gegen irgendeine Religion erheben!
Quellenverzeichnis:
(1) Will Durant, Cäsar und Christus, Genf, ohne Zeitangabe, S. 348
(2) zitiert nach Will Durant, Der Aufstieg Roms und das Imperium, Frankfurt, Berlin, Wien, 1981, S. 304. Vgl. weiter Hans Martinet, Sueton, die Kaiserviten, Düsseldorf, 1997
(3) Will Durant, Cäsar und Christus, a. a. O., S. 357
(4) Vgl. der Spiegel 8/2010, S. 97 sowie www.opendoors-de.org











