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Scientology-Wiki

Bis nichts mehr bleibt: Scientology-Film der ARD - Scientology Wiki - Foto: Copyright (c) matttilda - Fotolia.com„Bis nichts mehr bleibt“ ist ein fiktiver Scientology-Spielfilm der ARD, der am 31.03.2010 gesendet wurde. [1]

Der Film ist eine teamWorx-Produktion in Koproduktion mit dem Südwestrundfunk, der ARD Degeto und dem Norddeutschen Rundfunk. Die Produzenten sind Nico Hofmann und Benjamin Benedict. Die Schauspielerbesetzung setzt sich zusammen aus: Silke Bodenbender, Felix Klare, Nina Kunzendorf, Kai Wiesinger, Suzanne von Borsody, Robert Atzorn, Sabine Postel, Hubertus Hartmann, Victoria Trauttmansdorff, Ludwig Blochberger und Paula Schramm. Drehorte für den Film waren Kopenhagen (Dänemark) und Hamburg in Deutschland. [2] [3] Die ARD hatte 2,5 Millionen in den Film investiert. [4]

Entstehung des Films „Bis nichts mehr bleibt“

Ein Schlüsselerlebnis, für die Produktion des Films „Bis nichts mehr bleibt“, war für SWR-Fernsehfilmchef Carl Bergengruen die Bambi-Verleihung 2007. Die Stuttgarter Zeitung schreibt dazu am 21.03.2010: „Inspiriert hat ihn dazu eines der prominentesten Mitglieder von Scientology. Er sagt, er sei erschrocken darüber gewesen, dass Tom Cruise bei der Bambi-Verleihung vom FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher einen Preis in der Kategorie "Mut" verliehen bekam. "In dem Moment wusste ich, wir müssen diesen Film machen." [7]

Heiner von Rönn, der bereits 1995 die Scientology Kirche verlassen hat, verriet wie es zum Film kam: „SWR-Fernsehspielchef Carl Bergengruen wollte schon seit Jahren einen Spielfilm über Scientology machen. Dabei hat er sich an Frau Caberta gewandt, die bei der Hamburger Innenbehörde für Sektenfragen und Scientology zuständig ist. Bergengruen suchte eine dramatische Geschichte, die die Menschen berührt. Und meine Geschichte fand er wohl am interessantesten." [5]

Trotz der Behauptung der ARD, dass der Spielfilm angeblich auf Tatsachen beruhe und man juristisch „bestens gewappnet“ sei, scheute man eine gerichtliche Überprüfung seitens der Scientology Kirche Deutschland und drehte den Film unter den Tarnnamen "Tatort: Der Tote im Sund". [4] Diese Tatsache, dass Scientology gegen den Film erfolgreich vorgehen könnte, wurde vom Tagesspiegel bestätigt, der am 31.03.2010 schrieb: „Scientology war schon häufiger juristisch gegen Kritiker vorgegangen und bekam zuweilen recht.“ [6]

Demzufolge erfolgte der Dreh des Filmes geheim; mit Methoden die man als „sektenhaft" bezeichnen könnte. So verriet der Hauptdarsteller des Filmes „Bis nichts mehr bleibt“ Kai Wiesinger in einem Interview mit Bild.de vom 01.04.2010: „Keiner von uns hatte je einen Undercover-Dreh. Filme spielen sich ja meistens in der Öffentlichkeit ab. Unsere Namen standen noch nicht mal auf dem Ablaufplan.[...] Wir durften noch nicht sagen, dass wir diesen Film drehen. Wir mussten unterschreiben, dass das Drehbuch nirgendwo öffentlich rumliegt.[...] Jeder musste sein Drehbuch nach Drehschluss wieder abgeben.[...]jeder Schauspieler und Komparse wurde durchgecheckt. Jeder wurde überprüft, ob er Beziehungen hat." [7]

Zu Recht fragt Spiegel Online am 01.02.2010: „Doch war die ARD-Paranoia im Vorfeld wirklich begründet?" und schreibt später „Leise Anflüge von Verfolgungswahn erwischten das Team trotzdem schon beim Dreh." und „Am Set erzählte man sich, eine Art Pressesprecher von Scientology sei gesichtet worden. Ein andermal fand ein Informant des Regisseurs Niki Stein den Kofferraum seines Autos aufgebrochen vor. Erst dachte er sich nichts dabei, bis Steins Telefon klingelte und er sich an die Notizbücher im Kofferraum erinnerte. "Wir wissen, dass Sie einen Film über Scientology drehen", sagte die Stimme am Telefon und legte wieder auf.“ [4]

Diese Umstände wurden später aufgeklärt und man fand heraus, dass nicht Scientology dahintersteckte, sondern die Terrorgruppe Anonymous. Spiegel Online schreibt dazu am 25.03.2010: „[...]zumindest mit einem Vorwurf wohl tatsächlich nichts zu tun hat. Während der Dreharbeiten wurde das SWR-Filmteam bespitzelt und am Telefon bedroht. Doch nicht etwa Scientology steckten hinter der Aktionen. Verantwortlich war wohl die Anonymous-Gruppe, die über das Internet vernetzt ist und weltweit Scientology bekämpft.

Tatsächlich hatten Hamburger Mitglieder den Drehort am schicken Hamburger Balindamm gesichtet und geglaubt, Scientology würde dort eine neue Filiale errichten. Tagelang beobachteten sie das Geschehen und stellten heimlich geschossene Fotos ins Internet. Erst später stellten sie den Irrtum fest. "Gut, wir sind also auf ein Filmset reingefallen, aber kann passieren, sah ja auch übelst echt aus", gab "anonn004" Entwarnung.“ [8]

Und die Stuttgarter Zeitung schreibt dazu am 21.03.2010: „Jetzt ist Bergengruen bemüht, die Wogen zu glätten. Noch vor kurzem wurde im Umfeld der ARD kolportiert, Scientologen hätten versucht, Details über den Film in Erfahrung zu bringen und die Dreharbeiten zu stören. Davon will Bergengruen jetzt nichts mehr wissen." [9]

Auch verneint Regisseur Nikki Stein jegliche Bedrohung seitens der Scientology in dem er sagt: „Sie haben mich nicht bedroht nach dem Motto: "Pass auf deine Kinder auf." [...]Es gab auch ganz offene Arbeitsangebote nach dem Motto: "Bevor ihr hier was Falsches erzählt, redet doch lieber mit uns." [10]

Mitglieder der Scientology Kirche, die fiktional in dem Film dargestellt werden, wurden zum Drehbuch nie interviewt und deren Erfahrung nicht eingebunden. Der Film stützt sich auf Heiner von Rönn subjektiv erlebte negative Erlebnisse in der Scientology Kirche Hamburg und den Sorgerechtsstreit um seinen Sohn.

Der Film "Bis nichts mehr bleibt" wurde im Februar und März 2010 in Hamburg und Berlin, unter Polizieeinsatz und Sicherheitsvorkehrungen, erstmals aufgeführt. Welt Online schreibt dazu am 03.02.2010: „Polizeieinsatz vor dem Hotel "Royal Meridien" an der Hamburger Alster. [...]Drinnen präsentiert die ARD unter hohen Sicherheitsvorkehrungen ein lange geheim gehaltenes, weil heikles Projekt erstmals der Öffentlichkeit - einen Film über Scientology." [11]

Und der Tagesspiegel berichtet am 19.03.2010 über die Aufführung in Berlin: „Polizeiwagen, Einlass nur mit persönlicher Einladung,[...], drinnen eine proppevolle Halle, rund 500 Gäste in Stuhlreihen vor einem riesigen Bildschirm, drumherum patrouillierend Sicherheitsleute – am Mittwochabend bot sich dem Besucher des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin Mitte ein beeindruckendes Bild. Anlass war die Vorab-Präsentation des SWR-Fernsehfilms „Bis nichts mehr bleibt“[...]"  [12]

Die Stuttgarter Zeitung hinterfragt die Inszenierung zum Film: „Berechtigter Sicherheitsaufwand oder ein bisschen Show, um einen Film zu vermarkten, der schon vor seiner Ausstrahlung am 31. März (20.15 Uhr) die Gemüter erhitzt? Nach der Premiere von "Bis nichts mehr bleibt" ist man sich da nicht mehr ganz sicher. Die Premiere in Berlin trägt Züge einer vorzeitigen Oscar-Verleihung. Teamworx hat den Film mit Unterstützung des SWR, der Degeto und dem NDR produziert, und keiner der Beteiligten lässt sich die Gelegenheit entgehen, sich vor der versammelten Presse schon mal selber zu diesem Film zu beglückwünschen." [9]

 

Handlung des Films

Im Film wird ein junges Pärchen dargestellt, die Scientologen sind und eine gemeinsame Tochter haben. Nachdem der Vater die Mitgliedschaft in der Scientology Kirche beendet, beginnt der Konflikt. Er streitet sich vor Gericht mit seiner Ex-Frau um die Tochter und unterliegt. Schuld dabei ist aus seiner Sicht nur die Scientology Kirche.

 

Kritik am Film „Bis nichts mehr bleibt“

Bis nichts mehr bleibt: Scientology-Film der ARD - Kritik - Scientology Wiki -Foto: Copyright (c) vege - Fotolia.comDer fiktionale Film bedient sich typischer Scientology Klischees. Er versucht, einzelne, subjektiv erlebte negative Erlebnisse als „normale“ Abläufe innerhalb von Scientology darzustellen.

Obwohl der Film als „authentische Geschichte“ beworben wurde, fühlten sich die Filmemacher gleich zu Beginn im Vorspann des Films bemüßigt zu betonen, dass der Film:

„[...]Er erhebt jedoch nicht den Anspruch, die Geschehnisse in jeder Hinsicht authentisch wiederzugeben. Insbesondere die Namen der im Film handelnden Personen und ihre beruflichen und privaten Handlungen sowie Lebensumstände sind erfunden.“ 

So wird klar gestellt, dass der Film Wahrheit und Dichtung vermischt. Das einleitende Statement belegt, dass sich die Macher darüber im Klaren sind, dass der Film ohne diesen Hinweis rechtlich nicht haltbar wäre.

Die taz.de bringt es am 21.03.2010 auf den Punkt und schreibt: „Ärgerlich ist es, wenn Cabertas Sicht der Dinge ungefiltert in einem Doku-Drama des öffentlich-rechtlichen Fernsehens Niederschlag findet: Gerade wer die Manipulationstechniken von Scientology verurteilt, darf nicht zulassen, dass Urteile von Familiengerichten in so einer Geschichte unterschlagen werden. Wer das tut, verspielt die Glaubwürdigkeit der Scientology-Aufklärung. [...]Der Zuschauer nimmt Doku-Dramen als Spiegel der Wirklichkeit wahr. Wenn sie nur eine Version der Geschichte zeigen, laufen sie Gefahr, zur Propaganda zu verkommen.“ [13]

Die Kenntnisse der Schauspieler über die Scientology Kirche waren eher mager, so äußerte sich Nina Kunzendorf am 30.03.2010 in der sueddeutschen.de: „Als ich in den neunziger Jahren an der Hamburger Schauspielschule studiert habe, standen die da immer herum und haben Zettel verteilt. Aber ich habe denen das Papier wieder in die Hand gedrückt. Ich wusste nur, dass man mit denen möglichst nichts zu tun haben sollte.“ [14]

Auch Felix Klare ging es nicht anders; gefragt von TV DIGITAL vom 17.03.2010: „Wie viel wussten Sie vor Drehbeginn über Scientology?“  Antwortet Felix Klare: „Wenig. Ich wusste, was die meisten Menschen zu wissen glauben [...]“ [15]

TV DIGITAL interviewt auch Robert Atzorn, sie fragt ihn: „Waren Ihnen diese Strukturen vor dem Dreh bekannt?“ Robert Atzorn antwortet: „Nein. Ich dachte, Scientology sei eine Geschichte, bei der Menschen Kerzen anzünden und Kurse belegen – eine Art Erfolgsprogramm mit der Überbezeichnung Kirche. Insofern hat mich das Ganze zuvor nicht tangiert.“ [16]

Die Schauspieler des Filmes wurden von einem nicht genannten Scientology Aussteiger, man höre und staune innerhalb von 2 Tagen Scientology-Crash-Kurs indoktriniert, um ihrer Rolle im Film gerecht zu werden.

Nach dem Dreh und der Ausstrahlung des Filmes „Bis nichts mehr bleibt“ gaben die Schauspieler und Beteiligte Interviews ab aus den ersichtlich ist , wie negativ sie über Scientology informiert und beeinflusst wurden, wie an folgenden  falschen Behauptungen ersichtlich wird.

Z.B. berichtet Kai Wiesinger am 01.04.2010 in Bild.de: „Ich habe mich wirklich damit beschäftigt, spiele im Film den ranghöchsten Scientologen. Er ist ein OT 8, ein operierender Thetan, das ist, glaube ich, Tom Cruise auch. Das ist eine der höchsten Stufen, die man erreichen kann. Ein Zustand, in dem man sich angeblich entmaterialisieren, also schweben kann. Es macht nur nie jemand vor!“ [7]  Diese Aussage entbehrt jeder Grundlage und kann nur als Spott verstanden werden.

Außerdem geht er, aus Unkenntnis über Scientology, auf die irreführende Frage: Wie wird man Thetan? ein. [7]

Was Kai Wiesinger jedoch nicht weiß ist, dass Thetan nicht etwas ist, was man erreichen kann, sondern eine Bezeichnung für das unsterbliche Wesen, das "Ich" der Person in der Scientology Religion. Im Christentum würde man von Seele sprechen.

Ähnlich erging es teamWorx-Produzent Nico Hofmann von der ARD, der ein paar Straßen von der Scientology Kirche Berlin entfernt wohnt. Seiner Aussage nach fährt er oft an dem hell erleuchteten Gebäude vorbei und frage sich immer wieder „Woher die Organisation in Zeiten der Krise das Geld für all den "Glanz und Gloria" nehme [...]. Und habe ein ungutes Gefühl.“ [11] Eine Aussage, die erstaunt, wenn man sich der Tatsache bewusst wird, dass der Immobilien- und Geldbesitz der katholischen Kirche in Deutschland, sich Schätzungen zufolge zu einem Milliardenvermögen summiere. [17]

Regisseur Nikki Stein macht auch eine erstaunliche Aussage am 31.03.2010 in dradio.de: „Es gibt bei Scientology keine guten Seiten, wir haben recherchiert.“ [18]

Und in einem Interview mit der fr-online.de (Frankfurter Rundschau) am 19.03.2010 behauptet er: „Ich kenne nicht eine Publikation, die sagt: Man überschätzt die Gefahr. Nicht eine.“ Auf eine weitere Frage, ob die Scientology in den letzten Jahren verharmlost wurde antwortet er: „Definitiv. Man nimmt sie nicht ernst, auf Grund von Uninformiertheit. Deswegen habe ich es wichtig gefunden, den Film zu machen.“ [10]

Es ist schon sehr voreingenommen zu behaupten, dass es keine guten Seiten an Scientology gibt. Die Scientology Kirche unterstützt viele Drogenaufklärungsaktivitäten, klärt über Menschenrechte auf und setzt sich für ein bessere Bildung auf der ganzen Welt ein. Auch gibt es genügend Publikationen die nicht nur aufzeigen, dass die Scientology keine Gefahr für die Gesellschaft und Demokratie ist, sondern darlegen, warum die Scientology Kirche angegriffen wird. Eine solche Publikation ist das Buch "Die Schattenspieler" [19] von der ehemaligen Scientology Kritikerin Renate Hartwig, an der man, wenn man sich mit dem Thema befasst, nicht in Deutschland vorbeikommt. Sie schreibt zum Buch "Die Schattenspieler" auf Ihrer Webseite: „Meine Recherchen zum Thema Scientology und deren Kritiker war eine prägende Lebenserfahrung. Die Führungselite der Sektengegnerszene entlarvte sich mir gegenüber bereits Ende der 90er Jahre, indem sie genau das Repertoire gegenüber ihren Kritikern einsetzt, das sie selbst den Sekten vorwirft. Bis heute zu feige, sich einem offenen Gespräch zu stellen, wurde und wird mit versteckten Verleumdungen agiert und werden Gerüchte gestreut, wird versucht, ihre Kritiker mit allen Mitteln mundtot zu machen.“ [20]

Heiner von Rönn, der in dem Film von Kai Wiesinger gespielt wird, sieht nur die Schuld bei anderen, wobei er sich dem gängigem Vokabular von „Scientology Aussteigern" bedient. Er stellt Zusammenhänge in der Scientology Kirche verzerrt und verfälscht dar. So gibt er u.a. in einem Interview der Welt am Sonntag vom 27.03.2010 folgende falsche Aussage: „Ich habe dann einen Kommunikationskurs nach dem anderen mitgemacht und dafür zwischen 1984 und 1988 über 130.000 Mark bezahlt.“ [21]

Tatsache ist, dass es in der Scientology nur einen Kommunikationskurs gibt, dessen Spendenbeitrag sich auf € 100,- beläuft.

In einem Interview von noz.de (Osnabrücker Zeitung) sieht sich Heiner von Rönn in der Opferrolle und antwortet  auf die Frage „Wie konnte es sein, dass ein Familiengericht das Sorgerecht Ihrer Ex-Frau gibt und die Kinder für Scientology freigibt? [...]Ich hatte den Eindruck, dass es überhaupt nicht in die Unterlagen reingesehen oder sie zumindest nicht richtig verstanden hat. In den Unterlagen standen ja diese ganzen scientologischen Fachbegriffe, das ist ja wie eine Geheimsprache.“ [5]

Auch behauptet er: „Scientology ist keine Kirche und kein Verein, sondern eine kriminelle Vereinigung.“ [5] Dabei verschweigt Herr Rönn, der erst 1995 der Scientology Kirche den Rücken gekehrt, hat folgende Tatsache:

1991 wurde von Ursula Caberta eine Strafanzeige gegen Scientology wegen "Bildung einer kriminellen Vereinigung" gestellt. Das Verfahren war, wie amtliche Dokumente später belegen, von vornherein einstellungsreif. Ursula Caberta bewirkt dennoch eine drei Jahre dauernde bundesweite Untersuchung, die sie mit immer neuen Verdächtigungen und "Zeugen" am Leben hielt. Mitte 1994 stellt die Oberstaatsanwaltschaft Hamburg das Verfahren endgültig und vollumfänglich ein. Ursula Cabertas Beschwerde wird vom Generalstaatsanwalt abgewiesen. Nicht einer der strafrechtlichen Vorwürfe blieb bestehen, Hunderttausende von DM Steuergelder gehen zum Schornstein hinaus. Ein internes Protokoll belegt, dass das mit allen Mitteln in die Länge gezogene Verfahren vor allem der gezielten Rufschädigung von Scientologen dienen sollte. O-Ton Caberta: "Solange das Verfahren läuft, können wir das Wort 'kriminell' benutzen." [22]

Sein Sohn Daniel [23] , der in dem Film fiktional als Tochter dargestellt wird, äußert sich in einem Interview mit der Zeit Online vom 01.04.2010 im Zusammenhang mit dem Film „Bis nichts mehr bleibt“ „Mich hat eigentlich noch niemand nach der Geschichte befragt..." und zu den Abläufen von damals: „So wirklich habe er den Sorgerechtsstreit seiner Eltern gar nicht mitbekommen, erzählt Daniel. Erst kurz vor Weihnachten erhielt er einen Brief, in dem stand, dass er jetzt zu seinem Vater nach Hamburg ziehen müsse. Mit ihm selbst habe man aber nichts abgesprochen, sagt Daniel. Er musste weg aus seiner Schule, weg von seinem Freundeskreis. Wütend sei er da gewesen. Erklärt habe der Vater nichts, nur dass er ihm ein Leben ohne Scientology zeigen wolle. "Das kenne ich aber auch so. Ich bin in einem Sportverein, da bin ich auch der einzige Scientologe.“ Es sei seine freie Entscheidung gewesen, bei seiner Mutter zu leben, und das Gericht habe das anerkannt." [24] Siehe Pressemitteilung der Scientology Kirche zur Entscheidung des Familiengerichts in Hamburg. [25]

Die „Fachberaterin“ des Filmes in ihrer begleitenden Pressevorstellung war die fanatischste aller Scientology-Gegner im deutschsprachigen Raum: Ursula Caberta, Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Scientology der Hamburger Innenbehörde.

Die Stadt Hamburg wurde über die Jahre wegen wiederholter unwahrer Tatsachenbehauptungen, diverser Schmähungen und diskriminierender Handlungen von Ursula Caberta gegen die Scientology Kirche und ihre Mitglieder mehrfach auf Unterlassung verurteilt und die Behördenstelle von Ursula Caberta sogar vom Verwaltungsgericht Hamburg wegen Missachtung gerichtlicher Anordnungen zu einer Ordnungsstrafe von 5.000 Euro verurteilt. [26] Außerdem drückte Ursula Caberta der Öffentlichkeit und den Medien regelmäßig Ex-Mitgliedern einen Gütesiegel auf, obwohl diese Personen wiederholt der Öffentlichkeit vollkommen frei erfundene Geschichten präsentierten. [27] [28]

Wie Frau Caberta mit kritischen Fragen zu ihrer „Arbeitsgemeinschaft Scientology“ umgeht, konnte Carsten Frerk, Chef des Humanistischen Pressedienstes [29] erleben. Er hat dies in dem aufschlussreichen Artikel „Wer ist der Igel, wer der Hase?“ [30] über die Scientology Kirche und Ursula Caberta niedergeschrieben:

„Es dauerte, bis wir einen Termin bei Frau Caberta bekommen. Wir werden an dem großen Besuchertisch platziert und warten. Eine Überraschung ist, dass auf dem Tisch Hochglanz-Magazine und Werbe-CDs der Scientology-Kirche liegen. Dann kommt Frau Caberta, wir stellen uns vor. Als ich ihr erläutern möchte, welche Informationen bereits vorhanden sind, was ich gelesen habe, unterbricht sie energisch: „Wenn Sie den Namen Renate Hartwig hier noch einmal nennen, können Sie gleich gehen."
(Erläuterung: Renate Hartwig hatte 2002 in ihrem Buch „Die Schattenspieler" [19] Frau Caberta und den Verfassungsschutz als „Heuchler und Pharisäer am Steuertrog" dargestellt, denen es nicht um den Kampf gegen Scientology, sondern um den Erhalt ihrer Planstellen gehe.)
Dann monologisiert Frau Caberta eine Viertelstunde über ihre erfolgreiche Arbeit und die Gefährlichkeit von Scientology. Von den vorbereiteten zwölf Fragen können wir drei stellen, bei der vierten ist das Gespräch beendet. Die Frage war: „Können Sie mir bitte einen Scientologen nennen, der im Vorstand eines börsennotierten deutschen Unternehmens sitzt?" Antwort: „Sie glauben doch wohl etwa nicht, dass ich ihnen vertrauliche Informationen ausplaudere! Es reicht mir."

Es bedarf eines mehrmaligen Nachfragens bei der Pressestelle der Behörde des Inneren, bis die schriftlich eingereichten Fragen zurückgeschickt werden. Standardantwort auf alle Fragen ist: „Bereits bei dem Gespräch erläutert." [30]

Mittlerweile wurde die Behördenstelle „Arbeitsgemeinschaft Scientology“ geschlossen; die Scientology Kirche hat dazu eine Pressemitteilung herausgegeben. [31]

Die Scientology Kirche Deutschland verzichtet zwar auf rechtliche Schritte gegen den ARD-Spielfilm „Bis nichts mehr bleibt“ wirft aber der ARD vor „zu keinem Zeitpunkt über das Filmprojekt informiert oder befragt worden zu sein. Dies sei ein Verstoß gegen die Programmgrundsätze des Senders und gegen alle journalistische Sorgfaltspflicht.“ [32]

Jürg Stettler Pressesprecher der Scientology Kirche Deutschland gab bekannt, dass man als  Reaktion auf den Film über eigene Webseiten und einem Scientology-Sender im Internet aufklären und informieren wird. [33]

Konkret gab es eine Gegendarstellung (Interview) zum Film. [34]

In einer Analyse und Stellungnahme wird in 53 Punkte aufgezeigt, welche Falschinformationen der Film „Bis nichts mehr bleibt“ beinhaltet und was die richtigen Informationen diesbezüglich sind. [35]

 

Einzelnachweise:

 

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